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SharePoint 2010 Administration - Das ein mal eins für den SharePoint-Administrator

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Fabian´s Blog [SharePoint MVP]

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Leider fand dieser Artikel in der neuen Ausgabe des SharePoint Magazins keinen Platz mehr. Daher möchte ich ihn an dieser Stelle veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen!


SharePoint 2010 stellt eine robuste, intuitive Anwendungsplattform bereit, die dem Administrator einen tiefen Einblick in die operativen Prozesse verschafft. Eine komplett überarbeitete Zentraladministration, verbesserte Migrations-, Sicherungs- und Überwachungswerkzeuge, eine bessere Kontrolle von Serverressourcen sowie die Unterstützung von PowerShell machen die Administration von SharePoint-Umgebungen in Zukunft deutlich komfortabler. Dieser Artikel stellt Ihnen die wichtigsten neuen Funktionen in SharePoint 2010 für den Administrator vor.

Installation
Der gesamte Installationsprozess von SharePoint Foundation 2010 oder SharePoint Server 2010 geht mit der neuen Produktversion deutlich leichter von der Hand. Die wohl wichtigste Verbesserung ist der Prerequsites Installer, der dem Administrator die aufwändige Arbeit der manuellen Installation und Konfiguration der Systemvoraussetzungen abnimmt.

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Der Anwender kann entscheiden, ob die für die Installation erforderlichen Komponenten heruntergeladen oder von einem lokalen Verzeichnis installiert werden sollen. Neben der aus den Vorversionen bekannten grafischen Installationsoberfläche, die sich im Wesentlichen nicht verändert hat, steht dem Administrator auch die Option bereit, die SharePoint-Umgebung via PowerShell zu installieren. Die zweite Variante liefert eine deutlich feinere Konfigurationsmöglichkeit und dem Nutzer mehr Einfluss auf den eigentlichen Installationsprozess. Neu ist auch ein zentrales Farm-Kennwort, mit dem sämtliche Kommunikationswege zwischen den Servern einer SharePoint-Farm verschlüsselt werden. Das während der Installation festgelegte Kennwort wird in einen sicheren Bereich abgespeichert und ggf. kann im Nachhinein über PowerShell geändert werden.

Upgrade
Eines der Hauptschwachpunkte von SharePoint 2007 waren die fehlenden und nur sehr mangelhalfen Upgrade-Möglichkeiten, wodurch Migrationsprojekte in der Regel mit einem erheblichen Aufwand verbunden waren. Mit der Umsetzung der neuen Produktversion wurde der Fokus besonders auf diesen Bereich gelegt und neue verbesserte Funktionen für eine saubere und fehlerfreie Migration einer SharePoint 2007-Umgebung integriert. Bereits mit dem Service Pack 2 von SharePoint 2007 wurde einer der Grundbausteine hierfür gelegt. Die STSADM-Erweiterung preupgradecheck ermöglicht die Auswertung wesentlicher Eckdaten und potentieller Probleme einer SharePoint-Farm für eine mögliche Migration.

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SharePoint 2010 stellt zwei grundlege Upgrade-Methoden zur Verfügung. Die In-Place oder Database Attach-Methode. Beim In-Place Upgrade wird eine bestehende SharePoint 2007-Farm nach SharePoint 2010 direkt migriert. Bei der Database Attach-Variante wird eine gesicherte Inhaltsdatenbank einer komplett neuen SharePoint 2010-Farm angehangen und in diesem Prozess aktualisiert. Das In-Place Upgrade sollte nur bei kleinen (nicht angepassten) Farmen oder Single Server-Installationen durchgeführt werden. Den deutlich flexibleren Weg liefert das Database Attach-Upgrade. Eine Ergänzung zum Pre-Upgrade Check liefert das PowerShell cmdlet Test-SPContentDatabase. Das Script untersucht das Zusammenspiel zwischen den zu migrierenden Inhaltsdatenbanken und der neuer Farm und kann hierbei zum Beispiel fehlende Solutions, Features oder Assemblies bzw. verwaiste Daten identifizieren.

Eine weitere wichtige Verbesserung in diesem Bereich ist das sogenannte Visual Upgrade. Die Technologie unterstützt die Migration bestehender Masterseiten oder Style Sheets. Bei dem Verfahren werden zunächst die alten Masterseiten und Style Sheets angewandt. Der Benutzer kann direkt in der Administrationsoberfläche der Websitesammlung das neuen Design überprüfen und dann ggf. anwenden.

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Sämtliche während des Upgrades durchgeführten Arbeitsschritte werden in einem verbesserten, standardisierten Verfahren protokolliert.

Zentraladministration
Die Zentraladministration präsentiert sich in einem komplett überarbeiteten Outfit. Eine Restrukturierung der Menüs und die Integration des Ribbons sollen das Auffinden von Funktionen für den Administrator in Zukunft einfacher gestalten. Gewöhnungsbedürftig ist der Umstand, dass einige Funktionen über die Ribbon-Oberfläche (zum Beispiel die Verwaltung von Webanwendungen) und andere Einstellungen wiederum im Inhaltsbereich der Zentraladministration untergebracht sind. Bereits mit den ersten Arbeitsschritten in der Zentraladministration wird spürbar, dass der Weg zu einer Einstellung deutlich kürzer ist als in der Vorversion.

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Eine neue Funktion in der Zentraladministration ist der sogenannte Configuration Wizard, der den Administrator bei der Einrichtung der SharePoint-Dienste und Service Accounts unterstützen soll. Erfahrene Administratoren werden vermutlich auf diese Funktion verzichten können, da sie hierüber nur wenig Einfluss auf die Konfiguration der einzelnen Dienste haben.

Managed Services
SharePoint 2010 führt ein komplett neues Service-Modell ein. Die Managed Services sind der Nachfolger vom Shared Service Provider des Office SharePoint Server 2007. Anders als in der Vorversion, sind die Services bereits in SharePoint Foundation 2010 integriert und damit fester Bestandteil der SharePoint-Architektur. Sämtliche verteilbare SharePoint-Dienste werden über diese Ebene abgedeckt. Drei seiner bekanntesten Vertreter sind die Suche, der Profilimport oder die Business Connectivity Services. Die Administration der Managed Services erfolgt über die Zentraladministration oder PowerShell. Hierüber können die Anwendungsidentitäten und ggf. benutzerdefinierten Einstellungen der Dienste konfiguriert werden. In großen Umgebungen können die Services auf unterschiedliche Anwendungsserver verteilt werden.

Sicherung und Wiederherstellung
Die Backup- und Restore-Funktionen wurden in SharePoint 2010 deutlich verbessert. Die neue Version unterstützt die Erstellung von granularen Sicherungen von Websitesammlungen, Webseiten oder auch Listen direkt über der Zentraladministration. In der Vorversion war diese Option nur dem STSADM-Kommandozeilenwerkzeug vorbehalten.

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Neben der Zentraladministration können Sicherungsprozesse auch über PowerShell gesteuert werden. Die zweite Variante bieten im Vergleich zur Zentraladministration deutlich mehr Flexibilität und Einfluss. Zum Beispiel kann der Administrator hierüber auf die Dateikompression oder die Verwendung von SQL Snapshots Einfluss nehmen.

Eine interessante Neuerung ist die Wiederherstellung von ungebundenen Inhaltsdatenbanken. Was bedeutet das? In SharePoint 2007 ist es möglich, auf Basis einer SQL Server-Sicherung die Wiederherstellung einer Inhaltsdatenbank durchzuführen. Hierbei werden sämtliche in der Datenbank enthaltenen Elemente überschrieben. Sollte in einem Anwendungsfall nur eine Liste oder Webseite wiederhergestellt werden, ist dieses Verfahren nicht unbedingt optimal. Mit der neuen Funktion der Wiederherstellung von ungebundenen Inhaltsdatenbanken bekommt der Administrator die Option, aus der Sicherung der Inhaltsdatenbank sehr granular auszuwählen, welche Elemente er wiederherstellen möchte.

Wartung und Überwachung
SharePoint 2010 integriert eine Reihe neuer Funktionen, die den Administrator bei der Überwachung und Wartung von SharePoint-Farmen unterstützen. Zu den wichtigsten Funktionen gehören ein neuer Unified Logging Service (ULS), eine neu konzipierte Logging-Datenbank, neue Monitoring-Funktionen oder die Unterstützung von System Center Operations Manager (SCOM). Für die Auswertung von SharePoint-Ereignissen wurde der sogenannte Unified Logging Service (ULS) in die Plattform integriert. Die von SharePoint zu überwachenden Ereignisse können sehr granular über die Einstellungen der Zentraladministration gesteuert werden. Die Anzahl der unterstützten Events wurde im Vergleich zur Vorversion noch einmal deutlich erhöht.

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Eine neu eingeführte Correlation ID machen das Auffinden und die Zuweisung von Ereignissen, Warnungen oder Fehler über Servergrenzen hinweg in Zukunft spürbar einfacher. Sämtliche Ereignisse von SharePoint oder Drittanbieter-Diensten werden auf Ebene des ULS gesteuert. Durch die Verwendung der NTF-Kompression werden die Logdateien in SharePoint 2010 um ca. 50 % reduziert. Die Auswertung von Logdateien kann in SharePoint 2010 durch PowerShell oder einem von Microsoft kostenlos bereitgestellten ULS Viewer (http://code.msdn.microsoft.com/ULSViewer) durchgeführt werden. Wer möchte, kann die Daten natürlich auch über den herkömmlichen Weg mit einem Editor auswerten. Der Unified Logging Service ist vollständig dokumentiert und kann auch von benutzerdefinierten SharePoint-Anwendungen genutzt werden.

Der aus der Vorversion bekannte Best Practice Analyser wird in SharePoint 2010 vollständig integriert. Die unter dem Namen SharePoint Maintenance Engine (SPME) veröffentlichte Erweiterung führt eine auf Regeln basierte Auswertung von Konfigurationseinstellungen, Performance, Best Practices oder Sicherheitsproblemen durch. Die Ergebnisse werden direkt in der Benutzeroberfläche der Zentraladministration visualisiert.

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Eine weitere wichtige Verbesserung in SharePoint 2010 ist die Einführung einer Logging-Datenbank. In dieser Datenbank werden sämtliche Kennzahlen gespeichert, die für eine spätere Auswertung von Bedeutung sein könnten. Dazu gehören zum Beispiel die Seitenaufrufe, Suchanfragen, Verwendung von Features oder Ratings oder die Ausführung von Timer Jobs. Das Schema der Datenbank ist vollständig veröffentlicht. Damit haben Administratoren die Möglichkeit, die Daten in eigenen Berichten oder mit benutzerdefinierten Werkzeugen direkt aus der Datenbank auszulesen und auszuwerten.

PowerShell
SharePoint-Administratoren werden PowerShell in Zukunft wie ihre Westentasche kennen (müssen). Die neue Kommandozeilenoberfläche ist das ultimative Werkzeug für die Administration von SharePoint-Umgebungen. SharePoint 2010 integriert eine Fülle von Standardbefehlen für die Administration - sogenannte cmdlets. Über den Befehl Get-Command –noun sp* können sämtliche cmdlets für SharePoint 2010 ausgegeben werden. Zusammengerechnet sind es über 500 Befehle. Eine weitere für den Einstig in PowerShell sehr wichtige Funktion ist der Befehl Get-Help (Get-Help <cmdlet> [-full] [-detailed]), worüber die Beschreibung eines Befehls aufgerufen werden kann. Die Struktur eines PowerShell Befehls folgt einem festen Muster. Beginnend mit dem Verb (zum Bespiel Add, Get oder Remove) und dem Nomen folgt eine beliebig lange Liste von Parametern und Werten. Die PowerShell-Umgebung für SharePoint lässt sich vollständig Scripten und Erweitern. Jedem SharePoint-Administrator sei an dieser Stelle nahegelegt, sich diese Funktionen anzuschauen.

Bereit für den Administrator
Mit SharePoint 2010 wurden eine Reihe neuer Funktionen für die Administration von SharePoint-Umgebungen in das Produkt integriert. Dem Administrator wird eine aufgeräumte Zentralaministration zur Seite gestellt, mit der er sämtliche Komponenten und Anwendungen einer SharePoint-Farm über einfache Wege administrieren kann. Verbesserungen in den Wartungs- und Überwachungswerkzeugen liefern die Grundlage für einen genauen Einblick in die operativen Prozesse einer SharePoint-Farm. Nicht zuletzt die Unterstützung von PowerShell mit zahlreichen Standardbefehlen ist ein Grund dafür, dass sich der SharePoint-Administrator auf die neue Projektversion von SharePoint freuen kann.


Bereitgestellt 5 Apr 2010 19:34 von Fabian Moritz